Die Pferde sind die wahren Coaches!

Birgit Schörkhuber im Interview zum Thema "pferdegestütztes Coaching" und warum sie Pferde bei den Themen "Hass und Wut" nur bedingt einsetzt.


Hallo Birgit, vielen Dank, dass du dir heute Zeit nimmst für unser Interview! Du bist Geschäftsführerin von DIE Werkstatt am Hof. Euer Kernbereich sowohl bei Coachings für Privatpersonen und Unternehmen als auch bei den Aus- und Fortbildungen ist die Arbeit mit Pferden bzw. deren Einsatz beim "pferdegestützten Coaching". Du selbst bist u.a. als "Dipl. Trainerin der tiergestützten Intervention" tätig - ich habe nun einige Fragen an dich, um Einsteigern und Interessierten das Thema näher zu bringen.

Gibt es einen Unterschied zwischen pferdegestütztem Coaching und der Therapie mit Pferden?

Ja, den gibt es. Therapie ist ein in Österreich geschütztes Wort. Eine Therapie bezieht sich auf die Arbeit mit (psychisch) erkrankten Personen und darf ausschließlich von Therapeuten angeboten werden. Therapeutisches Reiten dürfen z. B. nur Physiotherapeuten (Hippotherapie) anbieten. Pferdegestütztes Coaching bezieht sich auf die Arbeit mit dem gesunden Anteil der Personen, die an einem bestimmten Thema arbeiten möchte. Als pferdegestützter Coach darf man ein Training anbieten (vor allem im Firmenkontext). Ist man zusätzlich psychologischer Berater oder Unternehmensberater darf man auch ein Coaching anbieten. Dies kommt vor allem in der Persönlichkeitsentwicklung vor.


Worin liegt der Unterschied zwischen Coaching und Therapie mit bzw. ohne Pferd?

Pferde werden sowohl in der Therapie als auch beim Coaching als sogenannter „Co-Coach“ eingesetzt. Sie spiegeln die innere Landschaft ihres Gegenübers wider und sind daher sehr hilfreich für jeden Berater/Coach. Man kann viel schneller zum Kern des „Problems“ vordringen und es wird auch für die Coachees klar sichtbar, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Ein anschließendes zielgerichtetes Arbeiten für eine größtmögliche Veränderung ist somit möglich. Ein Coaching/eine Therapie mit Pferd kann im Gruppen- oder Einzelsetting stattfinden.


Wird ein Coaching-Pferd mit den richtigen Eigenschaften geboren oder kann man jedes Pferd dazu ausbilden?

Man kann grundsätzlich jedes Pferd fürs pferdegestütztes Coaching einsetzen. Wichtig ist, Pferde dahingehend NICHT zu trainieren, da sie ihr Gegenüber dann nicht mehr spiegeln, sondern das Erlernte wiedergeben. Auch das Füttern während einer Coaching-Einheit ist ein absolutes Tabu. Pferde, die beim Coaching eingesetzt werden, werden alltagstauglich trainiert. Sprich, sie lernen die Utensilien kennen, die beim Coaching angewendet werden, machen ein „Schrecktraining“ und werden an Berührungen gewöhnt. Wichtig ist, dass der Coach sein Pferd gut kennt und auch weiß, was es nicht mag (z. B. an den Ohren angefasst werden oder ob das Tier kitzelig ist etc.). Pferde dürfen beim pferdegestützten Coaching durchaus zeigen, wenn sie etwas nicht möchten! Sie müssen nicht alles über sich ergehen lassen! Grundsätzlich muss beim pferdegestützten Coaching immer von Klienten ausgegangen werden, welche zum ersten Mal in ihrem Leben mit Pferden zu tun haben und ihnen zu Beginn vielleicht sogar mit Angst oder großer Vorsicht begegnen.

Welche Wirkung der Pferde auf deine Klienten ist dir aufgefallen?

Pferde haben meist eine sehr beruhigende Wirkung auf die Klienten. Auch Ehrfurcht ist oft ein Thema. Ein Pferd strahlt für jeden Menschen etwas anders aus. Manchmal ist es „das edle Tier“, oft die Größe, aber auch Begriffe wie „Macht“ und „Dominanz“ fallen immer wieder. In der Regel fasziniert die Arbeit mit den Pferden die Teilnehmer.


Arbeitest du persönlich lieber mit oder ohne Pferde?

Das kommt immer auf die Thematik und die teilnehmenden Personen an. Zumeist arbeite ich lieber mit Pferd, da das Ergebnis präziser ausfällt und wir schneller am Punkt sind.

Wenn Wut und Hass im Spiel sind, arbeite ich grundsätzlich OHNE Pferd. Dies sind Thematiken, die oft schwierig sind. Möchte man solche Themen mit Pferd coachen, ist es wichtig, dass vorher der erste große „Brocken“ gelöst ist, da das Pferd die Emotionen des Klienten spiegelt!


Gab es schon einmal Probleme mit den Pferden bzw. haben diese schon einmal „falsch“ reagiert?

Ein „falsch reagiert“ gibt es im pferdegestützten Coaching nicht, da das Pferd sein Gegenüber spiegelt. Zudem ist immer zu bedenken, dass man mit einem Lebewesen arbeitet, welches ein individuelles Gemüt, unterschiedliche Tagesverfassungen und auch mehr oder weniger viel Sympathie für sein Gegenüber hat. Unsere Stute hat schon im Ansatz gezeigt, dass sie Klienten bzw. Schüler zwicken möchte, die sie nicht wahrnehmen bzw. ihre Körpersprache ignorieren. Sie hat es letztendlich jedoch nie getan ;) Dass ein Pferd „falsch reagiert“ bzw. „etwas Falsches anzeigt“ ist mir bislang weder bei meinen Settings noch bei denen meiner KollegInnen untergekommen.


Gibt es Personen, die für ein pferdegestütztes Coaching nicht geeignet sind?

Kurz gesagt: Nein! Wichtig ist, immer auf die Bedürfnisse von Mensch und Pferd einzugehen. Fürchtet sich ein Teilnehmer vor Pferden, gehört dieses Thema aufgelöst, bevor man in die eigentliche Arbeit einsteigen kann.


Gab es schon herausfordernde Situationen im Coaching mit Pferden? Wenn ja, wie haben deine Klienten reagiert?

Ja, die gab es. Ein ruhiges, gelassenes Pferd ist wild durch die Halle gesprungen, weil die Klientin so geladen war (Wut, Trauer, Aussichtslosigkeit). Die Dame hat es nach einem langen Gespräch gut verarbeiten können und betitelt das Ganze jetzt als „ihren Sprung ins neue Leben“:)


Was war bis jetzt dein größter Erfolg im pferdegestützten Coaching?

Ein Geschäftsführer, der nach nur zwei Coaching-Einheiten erkannt hat, dass er jahrelang nicht geführt hat. Er hat viel Geld für diverse Fortbildungen und Coaching-Einheiten ausgegeben, doch diese verhältnismäßig kurze Zeit mit den Pferden hat ihm sein tatsächliches Thema sehr deutlich vor Augen geführt. Um es zu begreifen und somit ändern zu können, war es für ihn wichtig, dass er es selbst sehen konnte und es ihm nicht nur gesagt wurde.


Gab es auch Rückschritte im Zuge der Coaching-Einheiten?

Nein, mir ist es noch nie passiert, dass sich Klienten durch das Coaching mit den Pferden „zurück entwickeln“.


Wie machen sich Fortschritte bei den Klienten bemerkbar?

Die Personen werden offener und können Dinge besser annehmen, da sie es selbst spüren bzw. sehen können. Infolge können Sie sich weitere Schritte anschauen, diese annehmen und auch gehen.


Interview von Liliana Ohrenberger


Birgit Schörkhuber

Geschäftsführerin von DIE Werkstatt am Hof, Dipl. Trainerin der tiergestützten Intervention



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